Denglisch talken nur noch die Looser

Mittelbayerische Zeitung vom 28.11.05, von Thomas Dietz

„die first class" - Denglisch talken nur noch die Looser

Prof. Walter Krämers Vortrag „Die deutsche Sprache und das Geld"

Regensburg.  Gehobene Spannung durchströmte am Donnerstagabend den schneeweißen Ausstellungssaal des Kunst- und Gewerbevereins. Das Auditorium wartete auf seinen großen Meister, auf Prof. Walter Krämer, den Vorsitzenden des Vereins Deutsche Sprache. Krämer war's nämlich, der 1997 in der Univesität Dortmund jenen berühmten Zettel ans Schwarze Brett schlug: „Mir langt's. Ich unternehme was. Wer macht mit?" Kurz zuvor hatte er im Interview mit Jil Sander (FAZ-Magazin) u. a. folgende Antworten gelesen:
„Ich habe verstanden, dass man contemporary sein und das Future- Denken haben muss. Für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, dass man Teile einer collection combinen kann. Die Audience hat das alles supported."
Darüber rastete der Professor aus. Mittlerweile hat der VDS 23.000 Mitglieder. An diesem Abend sprach er zum Thema „Verlierer sprechen Denglisch. Die deutsche Sprache und das Geld". Gleich zu Beginn warf der Professor eine Namensliste auf die Leinwand:
Art Store, Comroad, Brainpool TV, eJay, Feedback AG, Gigabell, Sunburst...
„Was haben diese Firmen gemeinsam?", fragte er hintersinnig.
Antwort: „Es sind alles deutsche Firmen - und sie sind alle pleite."

Man wurde gespannt, wie die Darlegung weitergehen würde. „Ich komme gerade aus Madrid", sagte Krämer. „Am Flughafen dort sah ich die Siemens- Werbung: 'Siemens - Fuerza de la Innovación'. In Düsseldorf das gleiche Plakat. Dort stand: 'Siemens - The force of innovation'". (Gelächter). „Ich habe nachgefragt", fuhr der Professor fort. „Siemens wirbt in Japan auf japanisch, in Italien auf italienisch und in Deutschland auf englisch." (Herzhaftes Gelächter).

Der allgegenwärtige Sprach- Mischmasch aus Deutsch und Englisch führe ja zu den abstrusesten Konstruktionen: Will das „bad team" Badezimmer verkaufen oder vor sich warnen? An einer Lufthansatür steht: "die first class", und mit "Dogging - Fit mit Hund" ist garantiert was anderes gemeint, denn "dogging" macht nur der Spanner.

"Was man nicht versteht, kauft man nicht", meint Walter Krämer. Das angeblich so schicke Deutsch- Englisch- Gemisch sei längst zweitklassig geworden und so lächerlich wie "Bratwurst- Point" und "Fun- Shop". "Kein einziges Luxusgeschäft auf der Düsseldorfer Kö trägt einen englischen Namen. Im Prospekt für den Toyota Lexus finden Sie kaum ein englisches Wort, der Opel-Corsa-Prospekt strotzt nur so vor Imponiervokabeln."

Nach einer im Handelsblatt abgedruckten Analyse blieben dem Publikum nur deutsche Werbesprüche im Gedächtnis:
"Ich bin doch nicht blöd",
"Wohnst du noch oder lebst Du schon?",
„Nichts ist unmöglich."
Der erste englische Slogan landete auf Platz 19:
„There is no better way to fly" (Lufthansa).
Krämer führt die Ursache für den Niedergang von DaimlerChrysIer zu keinem geringen Teil auf die „Einführung der Konzernsprache englisch" und den damit verbundenen Identitätsverlust zurück. Nur Deutsche redeten Englisch. Kein anderer Europäer, kein Japaner würde je in Amerika Verhandlungen auf englisch führen und könnte er die Sprache noch so perfekt - immer nur mit Dolmetscher. „Stupid german money" nennen die Amis das ironisch. Porsches Erfolg, sagt Krämer, gründe sich auch darauf, dass Porsche- Lenker Wiedeking der Sprache in seiner Firma hohen Rang einräume. „Man muss sich perfekt verstehen, gerade bei technischen Details", sagte er im Spiegel-Gespräch, „bei uns also auf deutsch."



NPD Göttingen - Deutschland
30.11.05