Seiner Majestät zum 146. Geburtstag


Der 27. Januar, heute der BRD-Gedenktag „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, damals, in für Deutschland besseren Zeiten, der Kaisergeburtstag: Am 27.01.1859 erblickte der spätere deutsche Kaiser und König von Preußen, Wilhelm der Zweite, das Licht der Welt. Heutige Historiker stempeln ihn mal als Witzfigur, mal als bluttriefenden Chauvinisten ab, und tun ihm damit bitter Unrecht. Sein Name prägte eine ganze Epoche: So sprechen wir auch heute noch von der Wilhelminischen Ära, doch spricht heute noch jemand von einem Helmut Kohl?

Im Dreikaiserjahr von 1888 bestieg er 29jährig den Thron, seine Regierungszeit sollte 30 Jahre lang währen. Er wollte ein die Traditionen nicht vergessendes modernes Kaisertum begründen und war dementsprechend ein der Technik und Forschung aufgeschlossener Monarch: So gründete er die Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Diese wurde 1945 auf Anordnung der Alliierten in Max-Planck-Gesellschaft umbenannt). Die noch in den Kinderschuhen steckende Luftfahrt wurde durch den Bau der Zeppeline gefördert. Des Ausbaus des Eisenbahnnetzes nahm sich der Kaiser ebenso erfolgreich an: 1873 verfügte das Deutsche Reich über 21.200 km Bahnnetz, 1911 waren es bereits 61.936 km. Das persönliche Lieblingsprojekt des Kaisers aber war die Schaffung einer hochmodernen deutschen Schlachtflotte. Wilhelm II. machte Deutschland zur zweiten Seemacht hinter England. Außenpolitisch zog er sich damit die Feindschaft Englands zu, innenpolitisch war der Flottenbau ein Segen: der Flottenbau, der von einer Mehrheit der Deutschen begrüßt wurde, sorgte für einen enormen Aufschwung der Großindustrie, die Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze und damit für einen Abbau von sozialen Spannungen.

Wilhelm II. wollte nicht nur ein moderner, sondern ebenso ein sozialer Kaiser sein: Die Bismarcksche Sozialgesetzgebung wurde von ihm fortgeführt und noch erweitert. Er sah sich als Kaiser des gesamten deutschen Volkes, angefangen vom einfachen Arbeiter bis zum Aristokraten. Berechtigten Forderungen deutscher Arbeiter gab er nach, während Bismarck dazu neigte, einen Arbeiterstreik schon mal mit Hilfe einer Abteilung Husaren aufzulösen. Dazu der Kaiser in seinen Memoiren: „Fürsorge auf der einen, die Panzerfaust auf der anderen Seite, das war die Bismarcksche Sozialpolitik. Ich aber wollte die Seele des deutschen Arbeiters gewinnen und habe um dieses Ziel heiß gerungen.“ An der sozialen Frage entzündete sich der Streit zwischen Kaiser und Kanzler, der zu Bismarcks Entlassung (1890) führte.

Während der Wilhelminischen Ära erlebte Deutschland einen rasanten wirtschaftlichen und technologischen Aufschwung: Der Außenhandel stieg z.B. von 1891 bis 1911 von 7,3 auf 17,8 Milliarden Mark. Das Deutsche Reich wurde zu einer Wirtschaftsmacht, der Lebensstandard stieg, die Deutschen heimsten einen Nobelpreis nach dem anderen ein, und der Kaiser war der Motor dieser Entwicklungen. Entsprechend groß war seine Popularität. In jeder guten Wohnstube, die etwas auf sich hielt, hing ein Kaiserbild. Davon konnten Weimarer und Bonner Politiker nur träumen!   

Um sowohl die Raum- als auch die Rohstofffrage für das Deutsche Reich zu lösen, strebte Wilhelm II. ein überseeisches Imperium nach dem Vorbild Englands an: Auf dem europäischen Kontinent selbst sollte der Status Quo beibehalten werden, eine Selbstzerfleischung der europäischen Kulturnationen damit verhindert werden. Außerhalb Europas dagegen wurde die Erweiterung des deutschen Kolonialbesitzes konsequent fortbetrieben. Dafür war eine entsprechende Flotte als Mittel unablässig.   

Der rasante Aufstieg des Deutschen Reiches rief ebenso schnell die Neider auf den Plan: Frankreich, der Erbfeind, sann seit seiner Niederlage von 1871 auf Rache. Das Verhältnis zu Russland hatte sich bereits unter Bismarck durch den Verlauf des Berliner Kongresses von 1878 spürbar verschlechtert. Paris begann Russland durch französisches Kapital an sich zu binden. Zudem gewann in Russland der Panslawismus zusehends an Einfluß, der sich direkt gegen den einzig zuverlässigen Verbündeten Deutschlands richtete: Österreich-Ungarn. England fürchtete Deutschland weniger wegen seiner Flotte, sondern vielmehr als Konkurrent auf dem Weltmarkt. Gemäß seiner außenpolitischen Doktrin der „Balance of Power“ sollte es keiner europäischen Macht gelingen, die Vorherrschaft in Kontinentaleuropa zu erringen. Diese Doktrin richtete sich in der Vergangenheit gegen Napoleon I. u. Napoleon III., gegenwärtig gegen Wilhelm II., und zukünftig gegen Adolf Hitler!

1908 schlossen sich England, Frankreich und Russland zur Triple Entente zusammen: Deutschland war eingekreist, die Fronten des Ersten Weltkrieges bereits vorgegeben! Die Versuche deutscherseits, die Einkreisungspolitik zu verhindern bzw. zu beenden, scheiterten alle sang- und klanglos. Genannt sei der vielleicht bedeutsamste vom Juli 1905: Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. unterzeichneten in Björkö zwischen Deutschland u. Russland einen Neutralitätsvertrag, der nach Plänen des deutschen Kaisers zu einem europäischen Kontinentalbund unter Einschluß Frankreichs (!) erweitert werden sollte. Doch der Vertrag wurde von der Regierung in St. Petersburg wieder verworfen. Der Kaiser über Zar Nikolaus II.: „Kaiser Nikolaus war schwach und schwankend. Der Letzte, der bei ihm war, hatte recht, und der konnte ich natürlich nicht immer sein.

Am 1. August 1914 (Kriegsausbruch) sprach Wilhelm II. die legendären Worte „In dem jetzt bevorstehenden Kampfe kenne ich in meinem Volke keine Parteien mehr. Es gibt unter uns nur noch Deutsche.“ Einen Weltkrieg hat er nie gewollt. Er rasselte gern mit dem Säbel, aber ziehen wollte er ihn als erster nie. Gelegenheiten zu einem Präventivkrieg vor 1914 ließ er ungenutzt verstreichen.

Der 1. Weltkrieg endete mit dem Untergang des kaiserlichen Deutschlands und einem Erstarken von Liberalismus und Bolschewismus. Wilhelm II. dankte höchst widerstrebend als deutscher Kaiser und König von Preußen ab (formell am 28. November 1918), und ging nach Holland in das Exil.

Seine Vorlieben für das Schwadronieren und das Tragen von Uniformen mussten herhalten, um ihn zum „Hauptkriegsverbrecher“ zu machen. 1920 widersetzte sich Holland mutig seiner Auslieferung an ein Rachetribunal der Entente (Nürnberg lässt grüßen!) Die Weimarer „Saurepublik“ (O-Ton Wilhelm) hasste er von ganzem Herzen, und hoffte bis zuletzt auf eine Rückkehr auf den Thron, um sein Versprechen an das Deutsche Volk von 1892 doch noch einzulösen: „Herrlichen Tagen führe ich euch noch entgegen.

Er starb am 4. Juni 1941. Am Tag seines Begräbnisses herrschte Kaiserwetter.

Daniel Hubert
NPD Göttingen - Deutschland
21.01.2005