Alliierte Nachkriegsordnung ade

Alliierte Nachkriegsordnung ade - das Scheiden tat nicht weh!

Das Jahr 1945 sah die USA und die Sowjetunion als Hauptsieger des II. Weltkrieges. Großbritannien war endgültig zu einem Flugzeugträger der Amerikaner herabgesunken. Dagegen konnte sich Frankreich noch nationale Restbestände bewahren (so steht z.B. die französische Armee nach wie vor trotz Mitgliedschaft nicht unter direktem NATO-Oberkommando). Das Deutsche Reich, neben Japan der alliierte Hauptgegner, wurde zerstückelt und entmündigt (Verhaftung der Regierung Dönitz am 23.05.1945).

1939 wurde Polen als Teil des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes in Einflußsphären geteilt. 1945 teilten die USA und die Sowjetunion ganz Europa! Die eine Hälfte wurde fortan amerikanisiert, die andere sowjetisiert. Westeuropa wurde also von den Amerikanern vor den Kommunisten „beschützt“, Osteuropa von den Sowjets vor den Kapitalisten. Die zu Beschützenden wurden dabei natürlich gar nicht erst um Zustimmung befragt.

Am gravierendsten machte sich die Teilung Europas in zwei Machtblöcke in Deutschland bemerkbar: Die Frontlinie im „kalten Krieg“ der beiden Supermächte USA/UdSSR verlief mitten durch Deutschland. Auf beiden Seiten standen jeweils Bundeswehr und NVA (Nationale Volksarmee) bereit, sich, auf Befehl ihrer Herren in Washington und Moskau, gegenseitig zu zerfleischen. Diese Herren wiederum waren sich trotz aller Rivalität in zumindest einem Punkt einig, nämlich im Zweifelsfalle den Status Quo zu wahren, d.h. die Ohnmacht der europäischen Mitte zu verewigen.

Und machen wir uns doch nichts vor: sind denn die USA und die Sowjetunion so wesensverschieden gewesen? Beide betrieben eine imperialistische Politik, vertraten ein egalitäres Menschenbild und strebten nach einem globalen Universalreich. So mutet im Nachhinein das Streben der Deutschen Reichspartei (DRP) und später der NPD nach einem neutralistischen und wiedervereinigten Deutschen Reich zwischen den Machtblöcken fast schon utopisch an. Hatte doch diese patriotische Vision die geballte Macht gleich beider Supermächte zum Feind! Gerade dennoch gebührt den deutschen Nationalisten der Nachkriegsjahrzehnte der unverzichtbare Verdienst, den nationalen Gedanken bewahrt und in eine bessere Zeit getragen zu haben (besser im Sinne von günstigeren politischen Rahmenbedingungen).

Im Jahr 1989 und den darauffolgenden Jahren zerbrach die auf der Konferenz von Jalta beschlossene alliierte Nachkriegsordnung in Europa: Die Sowjetunion schied dahin und mit ihr der Ostvasall DDR sowie das politische System der anderen Warschauer-Pakt-Staaten. Die Sowjetunion implodierte regelrecht, nicht infolge einer Reihe militärischer Niederlagen, sondern durch eine langandauernde ökonomische Krise, verursacht durch die Untauglichkeit der kommunistischen Ideologie.

So befand sich ganz Osteuropa im Wandel, im Westen blieb vorerst noch alles beim Alten. Trotzdem hatte sich damit die Lage für das im „Dornröschenschlaf“ liegende Deutschland zu dessen Gunsten verschoben: Die deutsche Teilvereinigung bannte endgültig die Gefahr eines potentiellen deutsch-deutschen Bruderkrieges im Gefolge eines Konfliktes zwischen NATO und Warschauer Pakt. Und insbesondere nahm ein an die zaristische Tradition anknüpfendes Rußland zum großen Teil den Platz der Sowjetunion ein. Aus einem Feind wurde wieder ein Teil der europäischen Völkerfamilie. Dieses neue Rußland benötigt gegen eine scheinbar übermächtig gewordene USA (heute stehen bereits US-Truppen in Usbekistan!) Bündnispartner.

Ein neues Deutschland würde sich dafür besonders anbieten.

Dieses neue Deutschland zu schaffen, bleibt aber unsere große Aufgabe. Deutschland kann und darf dann kein amerikanisches Protektorat mehr sein!

Die alliierte Nachkriegsordnung auf eine Formel gebracht, könnte lauten: Dualismus USA/UdSSR plus Teilung Europas im allgemeinen und Deutschlands im besonderen. Davon übrig blieb die USA. Diese versuchte in den ‘90er Jahren möglichst umfassend, das vom zerbrochenen Ostblock hinterlassene Machtvakuum auszufüllen. Das Diktat einer amerikanischen Welt(un-)ordnung steht nun über den Völkern. Dabei ist dem „Uncle Sam“ die Globalisierung das, was für den Bolschewisten einst die kommunistische Weltrevolution war. Mit dem bisherigen Verlauf des amerikanischen Iraküberfalls 2003 scheint sich das Projekt einer globalen US-Hegemonialpolitik abrupt ins Gegenteil zu verkehren: Die Raubkriege im Irak und Afghanistan überfordern bereits die militärischen und finanziellen Ressourcen der USA. US-Staatsverschuldung und US-Außenhandelsdefizit erreichen nie gekannte Höhen. Europa und Amerika geraten zunehmend in schärferen Gegensatz zueinander.

Die Konturen einer von uns Nationalisten schon lange favorisierten Achse Paris-Berlin-St.Petersburg deuteten sich während des Irakkrieges das erste mal an. Steht den Vereinigten Staaten von Amerika à la Bush das Schicksal der Sowjetunion bevor?
Daniel Hubert
 23.11.2003