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Göttingens letzte Kriegstage |
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Als sich am 1. April vor 60 Jahren amerikanische Kampfverbände unserer Heimatstadt Göttingen näherten, begann der letzte Kommandeur des Göttinger Fliegerhorstes, der Oberstleutnant Calden, alle verfügbaren Soldaten zum Empfang der Amis aufzustellen. Die etwa 60 Luftwaffenmänner der Wachkompanie sowie eine Abteilung von Luftwaffenhelfern fanden schließlich bei der Feindaufklärung im Dransfelder Raum Verwendung. Teilweise marschierten sie mit ausgebauten Bordwaffen ihrer Flugzeuge dem Feinde entgegen. Doch auch weitere deutsche Kampfverbände waren in der Region im Einsatz. In der Nähe des Ortes Brehmke kam es zu einem Fehlpass der Amerikaner, denn dort beschossen sich irrtümlich amerikanische Einheiten gegenseitig (heute nennen sie das Friendly Fire) und brachten sich vermutlich eigene Verluste bei. . Am Ostersonntag 1945 wurde die sich auf dem Rückzug Richtung Harz befindende 326. Volksgrenadierdivision von amerikanischen Tieffliegern angegriffen. Ein britisches Flugzeug wurde über dem Göttinger Stadtwald abgeschossen und der kanadische Pilot von einem heimischen Suchtrupp gefangengenommen. Seit 1943 ist es immer wieder in der Region zu Tieffliegerangriffen auf Zivilisten und Pferdegespanne gekommen, welche unbescholten auf dem Felde ihrer Arbeit nachgingen. Bei diesen feigen Attacken der westalliierten Jägerpiloten soll es auch mehrere Tote gegeben haben (z.B. ein junges Mädchen bei Geismar, welches mit dem Rad unterwegs war). Südlich von Göttingen traf die 2. Infanteriedivision der Amerikaner auf die Gegenwehr deutscher Soldaten. Im Raum Klein Lengden / Mackenrode kam es sogar noch zu einem deutschen Gegenangriff. Die Lage war für die Amerikaner nur schwer einzuschätzen. Zwar trafen die alliierten Truppen nicht in jedem Dorf oder Kleinstadt auf Gegenwehr, so leisteten aber die SS-, Wehrmachts- und Volkssturmeinheiten oft noch erbitterten Widerstand. Bei Uslar sollen gar Hitlerjungen auf eigenen Willen hin die Waffe in die Hand genommen haben, um ihr Heimatdorf zu verteidigen. Sehr unredlich waren allerdings teilweise die Methoden der Alliierten. So haben sie oftmals Frauen und Kinder auf ihre Militärfahrzeuge gesetzt, um durch diese Maßnahme deutschen Beschuß zu unterbinden. In einem Fall soll gar ein Hitlerjunge als Abschreckung an die Panzerketten gebunden worden sein. Dieser Panzer fuhr so mit dem Jungen in die nächste Ortschaft. In Osterode wurden laut Zeitzeugen drei Hitlerjungen durch Kopfschuß ermordet. Ein geplantes Denkmal wurde bis heute nicht errichtet. Deutsche Opfer haben eben keine Lobby... Am 7. April kam es wieder zu einem Bombenangriff auf die Stadt, wo unter anderen das Gebäude der Anatomie zerstört wurde. Mehrere Menschen sollen an dem Tag ums Leben gekommen und verletzt worden sein. Am nächsten Tag fielen die letzten Fliegerbomben auf die Leinestadt Göttingen. Insgesamt wurden im Zweiten Weltkrieg hunderte Häuser und Wohnungen zerstört. Vermutlich sind zwischen 150 und 200 Menschen dabei ums Leben gekommen. Darunter auch Soldaten aus der Zietenkaserne, Flüchtlinge, Ausgebombte sowie Gastarbeiter und Kriegsgefangene. Nicht selten waren es versprengte Bomberpiloten, die ursprünglich Kassel angreifen wollten. Gezielte Angriffe wurden immer wieder auf den Güterbahnhof, auf Gleisanlagen und Zugmaschinen sowie auf den Fliegerhorst (zwischen dem Dorf Grone – Königsallee/Holtenser Landstraße – Elliehäuser Weg) und die Kokerei (am Maschmühlenweg) geflogen. In Duderstadt wurden zum Beispiel Anlagen auf dem Euzenberg bombardiert. Bei Gleichen soll ein notgelandeter feindlicher Pilot von einem deutschen Offizier vor der aufgebrachten Bevölkerung mit der Pistole in der Hand beschützt worden sein. Ob der Flieger vorher Angriffe geflogen hat, ist überdies nicht weiter bekannt. Am 8. April rollten die letzten deutschen Panzer aus dem Göttinger Umland und aus Weende in Richtung Harz. Zwei leichte Flakgeschütze feuerten einem amerikanischem Aufklärungsflugzeug noch ihre stählernen Grüße hinterher. Ob sie den Vogel tatsächlich runter holten, ist nicht hundertprozentig bestätigt, jedoch stürzte im Göttinger Wald ein Flugzeug ab, dessen Besatzung dort vermutlich bis zum Eintreffen ihrer Kameraden unbehelligt blieb. Gegen Mittag belegte feindliche Artillerie Teile der Stadt Göttingen. Dabei wurde zum Beispiel die St. Pauluskirche beschädigt (die Paulinerkirche wurde an Heiligabend `44 fast total zerstört). Etwa 100 Einschläge bekam allein Geismar ab. Als amerikanische Panzer über den Marktplatz rollten, wurde die Stadt gegen 13:30 Uhr von Oberbürgermeister Gnade, Stadtrechtsrat Schwetge, Amtsgerichtsrat Schmidt und Professor Baumgarten übergeben. Für die Stadt Göttingen war der Krieg vorbei. Nun hofften die Familien auf die Rückkehr ihrer Lieben aus dem Felde. Für manche gab es kein Wiedersehen mehr... Nie
wieder Bruderkrieg! Alte und neue Kriegstreiber bekämpfen!
Dieser Bericht
erhebt keinerlei Anspruch auf
Vollständigkeit, sondern ist nur ein kleiner Ausriß aus dem
Geschehenen von vor 60 Jahren. Eine genaue Dokumentation der Ereignisse
rund um Göttingen könnte Bände füllen, wenn man
wollte. Bei Gelegenheit wird dieser Bericht aber durch Text und Fotos
vervollständigt oder durch weitere Artikel ergänzt. Wer etwas
aus jenen Tagen zu berichten weiß oder Bilder hat, der sende uns
diese bitte per E-Post zu.
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| J.W. | 05.04.2005 |
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