|
Hausverbot, wem Hausverbot gebührt... |
||
| Göttinger Tageblatt hetzt gegen
den MGV Concordia in Barlissen "Nazi!", "Nazi-Minister!" - das Geschrei war groß beim "Göttinger Tageblatt", als vor drei Monaten in dem Dorf Barlissen (Landkreis Göttingen) bei der Pflanzung einer Linde durch den Männergesangsverein (MGV) Concordia eine Box mit Dokumenten zur Dorfgeschichte vergraben wurde. Stein des Anstoßes für das GT war der Inhalt dieser Box: sie enthielt nämlich u.a. auch einige Schriften und Zeugnisse über Hermann Muhs, der im Dritten Reich einige wichtige Positionen inne hatte. So war Muhs unter anderem ab 1933 Regierungspräsident in Hildesheim und danach Staatssekretär im Reichs- und Preußischen Ministerium für die kirchlichen Angelegenheiten, dessen Leitung er, wenn auch ohne formelle Ernennung, bis Kriegsende inne hatte. Außerdem stand er der Reichsstelle für Raumordnung vor. In dem südniedersächsischen Dorf Barlissen wurde Hermann Muhs 1894 geboren, er starb verarmt 1962 in Göttingen. In seinem Heimatdorf war Muhs zeitlebens äußerst beliebt und auch ganz sicher die Persönlichkeit mit der größten überörtlichen Bedeutung gewesen. Seine Beerdigung in Barlissen war vermutlich eine der größten, die das Dorf je erlebt hatte, was ganz zweifellos für eine außergewöhnliche Verbundenheit und Liebe der Bewohner zu Hermann Muhs spricht. Nichts liegt also näher, als auch dieser Persönlichkeit in Dokumenten zur Barlisser Dorfgeschichte auf gerechte Weise zu gedenken. Sollte zumindestens ein normal gebliebener Mensch meinen, nicht so aber das Göttinger Tageblatt und die Einheitsmasse von konturlosen "Gutmenschen". Nachdem bekannt wurde, daß der Schriftführer des MGV Concordia, Erich Bergmann, es gewagt hatte, auch Hermann Muhs in der Dokumentenbox ein sachliches Andenken zu gewähren, in dem nicht in heutiger Zeitgeistmanie(r) jedes dritte Wort bzw. Wendung aus "Verbrecher", "wir distanzieren uns...", "dunkles Kapitel", "Betroffenheit", "Scham" usw. bestand, regte sich im Lager der Göttinger "Gut"menschen und im GT die altbekannt-ekelhafte Entrüstung über solche ketzerischen Dokumente. Es folgte gegen Ende April ein hetzerischer GT-Artikel, in dem für schlichte Gemüter mit der üblichen und bekannten Heuchelei Stimmung gegen den MGV Concordia und ihren Schriftführer gemacht wurde. Folge waren zahlreiche Drohanrufe von "anständigen" Gutmenschen bei Bergmann. Die neugepflanzte Linde (Kosten: 1000 Euro) wurde kurz nach dem Hetzartikel zerstört. Laut Tageblatt soll es sich bei den inzwischen gefassten Tätern aber nur um "drei betrunkene junge Leute aus Jühnde" handeln, die einen "heftigen Streich" begangen hätten. Möglich, aber es ist doch auffällig, daß diese Tat kurz nach dem GT-Artikel verübt wurde. Ganz unabhängig davon bleibt das GT bis heute die Antwort auf die Frage schuldig, was denn der so gescholtene Hermann Muhs eigentlich verbrochen habe? Und wird sie wohl auch schuldig bleiben, denn der Verbrechens-Vorwurf, "Nazi-Minister" gewesen zu sein, ist dann doch etwas erbärmlich, waren doch die Nationalsozialisten - und somit auch die Minister - im Jahre 1933 bekanntermaßen durch die freie Entscheidung des deutschen Volkes, sprich durch Wahlen, an die Macht gekommen. Über Herrmann Muhs' Wirken lässt sich denn auch vieles sagen, nur "Verbrechen" lassen sich eigentlich keine finden: So hat er den Bau der damals weltweit längsten Wasserleitung vom Harz bis zur Stadt Bremen und die Technik der Holzgasverbrennung vorangetrieben. Vermutlich hat er auch bei der Entscheidung, das Volkswagen-Werk am Standort Wolfsburg zu errichten (wodurch erst die eigentliche Stadt Wolfsburg entstanden ist), mitgewirkt.1934 erhielt er für seine Verdienste die Ehrenbürgerschaft der Stadt Hildesheim. Nach der Besetzung durch die Alliierten wurde Muhs drei Jahre lang von den Amerikanern unter menschenunwürdigen Bedingungen interniert. Der MGV-Schriftführer forderte nun das GT auf, entweder einen offenen Brief von ihm zu veröffentlichen oder aber in Zukunft mit einem Hausverbot leben zu müssen. Für das Tageblatt eine - wie es selbst äußerte - etwas unschöne Angelegenheit, da in dem Bergmann'schen Vereinshaus mit Saal die meisten Veranstaltungen in der Region Jühnde stattfinden, über die dann keine GT-Berichterstattung mehr möglich wäre. Nicht untreffend äußerte Bergmann, daß sein einziges Vergehen wohl darin bestünde, "Wissenslücken in 'politisch korrekten' Darstellungen zu haben". Die "Dogmen der political correctness" würden aber vielleicht nicht mehr gelten, wenn die vergrabene Box eines Tages gefunden würde. Den Schreiberling des Tageblatt-Artikels nannte er kurz und knapp einen "Meinungsterroristen und Schreibtischtäter" und der Volksverhetzung verdächtig. Das Tageblatt zeigte sich in einem gestrigen Artikel nun auch etwas geknickt über die Folgen seiner von ihm als "kritische Berichterstattung" bezeichneten Hetze, ohne dabei allerdings darauf zu verzichten, weiterhin mit den sattsam bekannten Stereotypen um sich zu werfen. |
||
| Stephan Pfingsten |
01.08.2004 |
|