kritische Gedanken zum Rudolf-Heß-Gedenkmarsch

Wunsiedel 2004
 
von Ursula Haverbeck
  
Heimdall, der Himmelswächter, ließ das mächtige Gjallarhorn erschallen: Rudolf, der Deutsche, der Friedensflieger, möge sich am Himmelstor einfinden.
 
Alsbald erschien der Gesuchte fragenden Blicks.
 
Heimdall: „Die deutsche Jugend versammelt sich in großer Zahl zu Deinem Gedenken in Deiner Heimat. Es ist der Beginn des deutschen Volksaufstandes. Du sollst unerkannt daran teilnehmen.“
 
In ausgebleichten Beiderwandhosen und einer unförmigen Jacke mit großer Kapuze, Dinge, die Rudolf zu seiner Zeit nie getragen hatte, machte er sich über den doppelten Regenbogen, Bifröst genannt, der sich ungewöhnlich lange über Wunsiedel wölbte, auf den Weg.
 
Beim Acht-Uhr-Schlag des großen Turmes sollte er zurückkehren, doch bereits als es viermal schlug, sah der erstaunte Heimdall Rudolf den Deutschen sichtlich empört zurückkehren.
 
Rudolf: „Wo sollte denn die deutsche Jugend sich zum Aufstand versammelt haben? Ich habe sie nicht gefunden.
 
Heimdall: „Hast Du denn nicht in Wunsiedel die Tausende gesehen?
 
Rudolf: „Ja, Tausende schon, aber ich kann doch Deutsche von Indianern und Negern unterscheiden.
 
Heimdall: „Aber da waren doch weder Rothäute noch Schwarze.
 
Rudolf: „Die Hautfarbe ist nur äußerlich, es kommt auf den Kern an. Sie trugen Ohren- und Nasenringe und glitzernde Knöpfe an Nasenflügeln und Schläfen. Sie waren tätowiert und hatten kahlgeschorene Schädel wie Kriegsgefangene.
 
Heimdall: „Aber sie trugen doch Fahnen und Spruchbänder, auf denen sie Dich und Deutschland priesen. Sie hatten sogar auf dem Rücken oder der Brust solche Parolen auf ihre Kleidung geschrieben.
 
Rudolf: „Also versteh bitte, auf schwarzer Unterwäsche möchte ich weder meinen Namen finden noch etwas von Deutschlands Ehre lesen. Das ist doch abgeschmackt, ja es ist Hohn. Daneben standen übrigens auch englischsprachige Parolen und ähnliches.
 
Heimdall: „Wie kommst Du auf Unterwäsche?
 
Rudolf: „Weil es Unterhemden waren, das habe ich doch gesehen. So laufen vielleicht amerikanische Neger herum, aber keine jungen Deutschen. Das ist genau die Feindpolitik, sie wollen uns lächerlich machen.
 
Heimdall: „Aber es waren doch junge Deutsche. Sie sprachen deutsch, sie hatten deutsche Musik und u.a. auch deutsche Fahnen.
 
Rudolf: „Wenn es ein Volksaufstand für das Deutsche Reich sein sollte, dann hätten dort wenigstens einige Hakenkreuzfahnen mitflattern müssen. Ich habe nicht eine einzige gesehen.
 
Heimdall: „Aber Rudolf, das ist doch nicht erlaubt, die Kundgebung wäre sofort verboten worden, und die Verantwortlichen eingesperrt.
 
Rudolf: „Wer hat das verboten?
 
Heimdall: „Na, die Regierung im Auftrag der Siegermächte.
 
Rudolf: „Hat es jemals einen Volksaufstand gegen Unterdrücker und Volksfeinde gegeben, bei denen deren Gesetze und Verbote beachtet wurden? Das ist doch gerade das Wesen eines Volksaufstandes, die Gesetze der Unterdrücker abzuschütteln.
 
Heimdall: „Es ist eben noch nicht an der Zeit.
 
Rudolf: „Das sage ich ja. Es war weder ein Volksaufstand noch sah ich deutsche Jugend. Junge Deutsche würden sich nicht nach ihren Feinden richten. Sie würden ganz normal und korrekt aussehen, nur eben besonders ordentlich und sauber und in gebügelten Hemden. Und dann dies schreckliche Tam-Tam-Tam der Urwaldtrommeln, das sogar noch Volksliedern unterlegt wurde. Überhaupt die Musik bei dem sog. Trauermarsch, die war ein Trauerspiel. Wenn ich da an unsere Spielmannszüge denke.
 
Heimdall: „Du bist ungerecht. Nach 50 Jahren Umerziehung und Schmähung aller Deutschen als Verbrechervolk ist es doch beachtlich, aß dennoch Tausende aus ganz Deutschland zusammenkamen zu Deinem Gedenken, weil Du ihnen Vorbild bist, weil sie für Deine Ehre sich einsetzen.
 
Rudolf: „Meine Ehre auf Unterwäsche, unter Ohr- und Nasenringen und kahlrasierten Gefangenenschädeln, zwischen schrecklichen Tätowierungen ist eine Zumutung. So wollen unsere Feinde uns haben, aber das sind nicht wir.
 
Heimdall: „Aber hast Du denn nicht die Reden gehört? Du wurdest gebührend gewürdigt, und sie haben Deinen Friedensflug und Deine Ermordung wahrheitsgemäß dargestellt.
 
Rudolf: „Das machten die Älteren, und kaum die Jungen.
 
Heimdall: „Aber die Jungen klatschten Beifall.
 
Rudolf: „Das reicht doch nicht. Für mich sieht ein Volksaufstand, und ebenso eine deutsche Jugend, ganz anders aus.
 
Heimdall: „Aber hast Du denn nicht gesehen, wie sie behindert wurden auf ihrer Anreise durch Buskontrollen, stundenlang aufgehalten, wie ihnen der geeignete Festplatz verweigert wurde, und wie sie dennoch mehr als sechs Stunden aushielten bei Gewitter und Wolkenbrüchen mit wechselnder Kälte und Schwüle. Sie mußten die ganze Zeit auf Asphalt stehen oder gehen.
 
Rudolf: „Wovon sprichst Du? Ihre Eltern und Großeltern haben ganz andere Strapazen erdulden und aushalten müssen. Nein, so sieht kein deutscher Volksaufstand aus. Dazu hättest Du mich nicht auf die Erde zu schicken brauchen, diese Enttäuschung hättest Du mir ersparen können.
 
Heimdall: „Nein, was jetzt noch chaotisch anfänglich ist, kann bereits morgen ein anderes Gesicht haben. Du hast ihnen Mut eingeflößt, jetzt mußt Du ihnen gute Gedanken geben. Sie haben erkannt, daß Du für den Frieden stehst, daß Du ermordet wurdest, und sie sagen das laut in der Öffentlichkeit gegen Widerstand und Vorschriften. Wer weiß, ob sie nicht morgen Deine Schlichtheit, Disziplin und Nüchternheit aufgreifen, und all diesen fremden Tand aus Feindes Hand abschütteln.
 
Rudolf: „Vielleicht, wenn der Kern noch deutsch wäre?
 
Heimdall: „Er ist es!
 
Ob im nächsten Jahr wieder der Hornruf Heimdalls Rudolf den Deutschen nach Wunsiedel entsendet?
Ob er dann dort deutsche Jugend und den Beginn eines wirklichen Volksaufstandes erleben wird?
 
Ursula Haverbeck
NPD Göttingen - Weltanschauung
 31.08.2004