Japans Atom-Desaster

Japans Atom-Desaster

Nicht das erste, doch hoffentlich das letzte

Wirklich gebeutelt ist die Kulturnation Japan, welche nach mehreren großen Erdbeben einem riesigen Tsunami zum Opfer fiel. Zwar gab es viele Tote, doch vergleichsweise wenige, wenn man bedenkt, wie viele Opfer der letzte Tsunami in Südostasien gefordert hat. Zu verdanken haben die Japaner dies auch zuletzt der Tatsache, dass sie in einem Erdbebengebiet leben und von frühester Kindheit an Katastrophentraining machen. Doch kaum ist ein Unglück vorbei, da kommt es noch viel schlimmer. Die Schäden, die Erdbeben und Flutkatastrophen anrichten, sind zwar unvorstellbar schlimm, doch sind sie zu beheben. Die Überlebenden können neue Häuser bauen, und in einigen Jahrzehnten existiert das Unglück nur noch in den Geschichtsbüchern. Doch durch die Erdbeben und den Tsunami wurden mehrere Atomkraftwerke stark beschädigt. Am Schlimmsten davon betroffen ist das Kraftwerk in Fukushima.

Nach dem Atombombenabwurf der Amerikaner auf Nagasaki und Hiroshima sollten die Japaner aber noch eine Reihe anderer atomarer Zwischenfälle heimsuchen.

  • 1981 flossen aus dem Reaktor von Tsuruga 40 Tonnen radiaktives Kühlwasser direkt ins Meer. Der Vorfall sollte vertuscht werden.

  • Im Dezember 1995 stand Japan kurz vor einem GAU (Größten anzunehmenden Unfall). Im Schnellen Brüter von Monju waren aus einem Kühlsystem 3 Tonnen Natrium ausgelaufen und hatten Feuer gefangen. Das Natrium wäre in Verbindung mit Wasser explodiert. Man ist nur knapp einem zweiten Tschernobyl entgangen. Damals wollte man die Öffentlichkeit sogar mit gefälschten Videos täuschen, woraufhin sich einer der Manager aus Scham aus einem Hotelfenster stürzte.

  • Am 30. September 1999 gab es in Tokaimura einen Vorfall in einer Brennelementefabrik. Beim Befüllen eines Tanks mit Urangemisch gab es eine unkontrollierte Kettenreaktion, bei der mehrere hundert Menschen verstrahlt wurden und zwei der Arbeiter kurze Zeit später an den Folgen starben. Dieser Vorfall hätte aber auch noch weitaus schlimmer kommen können, wenn der Tank nicht gehalten hätte. Auch damals versuchte man anfangs die Situation herunter zu spielen und gab bekannt, dass es keinen Fallout gegeben hätte. Ähnlich wie in Fukushima, wo erste Berichterstattungen sagten, es gäbe keine Kernschmelze oder nur eine teilweise, man könne es nicht genau sagen, weil es wohl Unklarheiten bei der Übersetzung geben würde.

Doch nicht nur in Japan gab es bisher Katastrophen und Vorfälle. Die Liste ist lang.

  • Schon vor Tschernobyl gab es im russischen Militär-Atomkomplex Mayak im Jahre 1957 eine Explosion eines Lagertanks. In 217 Städten und Dörfern wurden 270.000 Menschen chronisch verstrahlt. Das ganze Gebiet wurde damals umgesiedelt, doch auch noch heute leiden viele Menschen der umliegenden Gebiete an Krebserkrankungen und genetischen Missbildungen.

  • Im britischen Windscale gab es am 8. Oktober 1957 im militärisch genutzten Atomkomplex ein Feuer, wodurch Strahlung freigesetzt wurde, die noch in Irland messbar war. Die Regierung verhängte damals ein Verzehrverbot für Milch aus der Region.

  • Harrisburg / USA 1979 Im Kraftwerk "Three Mile Island" gab es mehrere Pannen, bei denen auch Kühlwasser verloren ging. Dies führte zur Überhitzung und zur Bildung einer Wasserstoffblase wie jene, die in Fukushima zur ersten Explosion führte. Auch wenn es damals keine Explosion gab, gelangte trotzdem eine radioaktive Wolke in die Umgebung und sorge dafür, dass sehr viele der Menschen, die der Strahlung ausgesetzt waren, an Leukämie erkrankten.

  • Und auch in Deutschland gab und gibt es ständig kleinere und auch größere Vorfälle wie z. B. im Kraftwerk Biblis im März 1994, wo ein Feuer an einer Hauptkühlpumpe ausbrach, welches erst nach ca. 45 Minuten gelöscht werden konnte. Im selben Monat gab es noch mehrere weitere Probleme, die sich bis heute auf über 550 Vorfälle summiert haben.

Dies sind nur einige der bekannt gewordenen Vorfälle, andere Störfälle werden selten an die große Glocke gehängt oder werden vertuscht. Ansonsten kann man, wenn man sucht, jede menge Vorfälle in so ziemlich jedem AKW auf der Welt nachlesen. Hier gilt die Devise: „wer suchet, der findet“.

 

Genug Gründe gegen Atomenergie zu sein haben wir damit schon zusammen, doch sei dieses die sauberste und billigste Energie, auf die wir auf keinen Fall verzichten können. So sagen es zumindest die Lobbyisten in Politik und Wirtschaft.

 

Sauber: Atomkraftwerke produzieren Unmengen an radiaktivem Abfall, der schon jetzt ein riesiges Problem darstellt. Müsste jeder den Müll, den Kernkraftwerke produzieren, in seinem Vorgarten lagern, hätte sich das Thema längst erledigt. So aber karrt man hochgefährliches Material lieber durch halb Europa hin und her und riskiert dabei die Gesundheit der Menschen, welche in der Nähe von End- oder Zwischenlagern wohnen, oder auch derer, die nur an den Transportstrecken leben. Nicht zu vergessen Trinkwasser und Lebensmittel, welche in unmittelbarer Nähe vorhanden und ständiger Strahlung ausgesetzt sind. Zur Zeit wird beispielsweise gerade der Zusammenhang von erhöhter Leukämie bei Kleinkindern, die in der Nähe von Atomkraftwerken leben, untersucht, mit dem Zwischenergebnis, dass die Krebsrate in solchen Gebieten wesentlich höher ist.

 

Billig: Mit der Ausrede, Atomstrom sei der billigste Strom, versucht man, den Menschen Angst vor Preiserhöhungen zu machen, die wir sowieso jedes Jahr mit immer neuen obskuren Gründen bekommen, wie dieses Jahr die EEG-Umlage für erneuerbare Energien oder demnächst wahrscheinlich die Tatsache, dass die alten Meiler jetzt kurz vor den Landtagswahlen abgeschaltet wurden. Fakt ist aber, dass uns der Atomstrom viel mehr kostet als alle erneuerbaren Energien zusammen. Nur bezahlen wir das nicht über den Strompreis, sondern über unsere Steuergelder: Lagern und Verarbeiten von radioaktivem Müll, der Transport und der Polizeischutz bei den Transporten kosten Unmengen an Geld, welches nicht die Stromkonzerne bezahlen.

 

Uran: Uran ist unerlässlich für die Brennstäbe. Aber die Uranvorräte sind begrenzt, und schon jetzt wird nur halb so viel abgebaut wie verbraucht. Aktuell wird das Defizit mit alten Militärbeständen aufgefüllt. Der Preis für Uran hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verzehnfacht. Die Konzentration von Uranerz ist meist sehr niedrig, deshalb müssen große Mengen Gestein abgebaut werden. Die radioaktiv und chemisch verseuchten Grubenabwässer werden teilweise bis heute in Gewässer gepumpt. Bei der Stilllegung von Uranbergwerken werden diese geflutet und verseuchte Lösungen gelangen ins Grundwasser.

Würde man das Geld, das die Steuerzahler für die Subventionierung von Atomstrom sowie dessen Abfallprodukte ausgeben, in die Forschung und die Subventionierung alternativer, sauberer und ungefährlicher Energieformen investieren, wäre ein Atomausstieg in kürzester Zeit möglich.

 „Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werdet ihr feststellen,
dass man Geld nicht essen kann.‘‘

Diese Weisheit kannten schon die Cree- Indianer, aber was muss noch alles geschehen, bis man anfängt, Katastrophen zu verhindern, bevor sie passieren und nicht wie immer hinterher zu diskutieren, was man hätte anders machen können? Fukushima hat für neue Diskussionen gesorgt. Dumm nur, dass nicht viel mehr daraus wird als Gerede und Sicherheitsüberprüfungen, die ergeben werden, dass wir in Deutschland viel höhere Sicherheitsbestimmungen haben als Japan und wir auch nicht in einem Erdbebengebiet leben. Doch stehen sehr wohl zwei Atomkraftwerke direkt auf einer tektonischen Platte. Wenn auch die Erdbeben in dieser Gegend bisher nur sehr schwach sind, ist dies doch ein unnötiges Risiko. Außerdem hält keines unserer Atomkraftwerke einem Flugzeugabsturz stand oder ist ausreichend gegen andere terroristische Übergriffe geschützt. Wie einige Aktionen von Greenpeace zeigten, ist es ein Leichtes, unbemerkt in die Kraftwerke einzudringen. Nicht zu vergessen sei auch die Tatsache, dass andere europäische und vor allem osteuropäische Kernkraftwerke weitaus weniger gesichert sind, und meist auch schon stark veraltet.

Das sogenannte Restrisiko ist einfach zu groß für einen dicht besiedelten Kontinent wie Europa. Man stelle sich das Unglück von Japan einmal hier vor und wäge dann ab, ob es nicht langsam an der Zeit ist, der Atomenergie und seinen Lobbyisten eine Absage zu erteilen und als gutes Beispiel in Europa voran zu gehen und zu sagen:

 Atomausstieg so schnell wie möglich!


NPD Göttingen - Weltanschauung
 27.3.2011