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Unser Leben ist zur Hölle geworden |
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Kinder einer Deutschen werden in Großbritannien Opfer von rassistischen Übergriffen - Eltern nehmen Jugendliche von der Schule London/Berlin - Die meisten in Großbritannien lebenden Deutschen kennen das Problem: Immer wieder werden sie auf den Zweiten Weltkrieg angesprochen. Auch 60 Jahre nach Kriegsende fallen die Bemerkungen oft unerfreulich aus. Das gebeutelte Selbstbewußtsein der Deutschen hat sogar Einzug in die Fernsehkomödien gehalten - der von Harry Enfield verkörperte deutsche Sprachschüler, brav mit Brustbeutel und Rucksack, entschuldigt sich bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit für die Sünden seiner Heimat. Meist bleibt die offen zur Schau getragene Feindseligkeit verbal. Manchmal jedoch kommt es auch zu physischen Angriffen. Im westenglischen Merseyside mußte jetzt ein deutsch- englisches Paar seine drei Kinder von der Schule nehmen, weil sie massiven rassistischen Angriffen ausgesetzt waren. Vergangene Woche hielten Mitschüler dem 14jährigen John ein Plastikmesser an den Hals und taten so, als wollten sie ihm die Kehle durchschneiden. Es war nicht die erste Attacke auf John: Zuvor hatten Angreifer ihm vor dem Haus seiner Eltern die Hand gebrochen. John, sein Bruder Aaron (13) und Schwester Liza-Marie (11) sind offenbar seit über zwei Jahren schweren Beleidigungen ausgesetzt. Immer wieder wurden sie als "Judenmörder" beschimpft. Das Auto der Familie wurde mit Hakenkreuzen versehen. Irgend jemand schoß mit dem Luftgewehr auf sie. "Seit zwei Jahren leben unsere Kinder wie Gefangene in unserem Haus", sagt John Nolan, der früher mit der britischen Armee in Deutschland stationiert war. Seine Frau Daniela ist Deutsche. Jeden Tag führen sie ihre Kinder zur Schule. Vor dem Haus spielen könnten die Kinder nicht: "Die Leute denken immer, daß Rassismus in diesem Land nie weiße Familien treffen könnte - aber unser Leben ist dadurch zur Hölle geworden." Ein Sprecher der Higher Side School in Whiston sagte, drei für die Angriffe auf John verantwortliche Jugendliche seien von der Schule verwiesen worden. Die Polizei ermittle in dem Fall. Auch an der deutschen Schule in Richmond bei London kennt man das Problem. Die Schüler sprechen außerhalb des Geländes nur Englisch. Auch Hans von Ploetz, früherer deutsche Botschafter in London, klagte 2001 über die Feindseligkeit. Der Geschichtsunterricht an britischen Schulen setzte über Jahrzehnte deutliche Schwerpunkte: Hitler, die Nazis und ein wenig Stalin. Der heutige Innenminister Charles Clarke hat sich in seiner Zeit als Erziehungsminister der Problematik angenommen. "Wir müssen die Geschichtsbücher enthitlerisieren", sagte er damals. Seitdem gibt es erste Ansätze, deutsche Geschichte anders zu vermitteln, die demokratische Entwicklung seit 1945 zu betonen. Bis die Pilotprojekte Früchte tragen, werden die tief eingegrabenen Klischees den Deutschen noch lange zu schaffen machen. |
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| Marina Küchen in "Die Welt" 30.9. | 16.10.05 |
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